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3 Fragen an Prof. Dr. Karsten Pinkwart

Am 14.01. und 15.01.2022 hat unsere digitale Einstiegsveranstaltung zum MINT TANK-Netzwerk für Gewinnerinnen und Gewinner eines Dr. Hans Riegel-Fachpreises aus 2021 stattgefunden. Rund 120 Teilnehmer*innen erlebten ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Unter den Referent*innen war auch Prof. Dr. Karsten Pinkwart mit einem eindringlichen Vortrag zum Thema Wasserstoff. Wir haben ihm drei Fragen gestellt…

Wasserstoff Prof. Dr. Karsten Pinkwart MINT TANK

 

1. Der Titel Ihres Vortrags endet mit einem „?!“ - Wieso das Ausrufezeichen?

Das Ausrufezeichen steht dafür, dass wir an dem Thema „Wasserstoff“ nicht vorbeikommen. Wir müssen diese industrielle Revolution anpacken und dies aus zwei Gründen. Einerseits gilt es den Klimawandel aufzuhalten, indem die Erderwärmung unter der Grenze von 1,5°C gehalten wird. Dies gelingt nur, wenn der weitere Ausstoß von Kohlenmonoxid, welches dann keine Verwendung findet, in die Atmosphäre gestoppt wird. Ein zweiter wichtiger Treiber sind unsere natürlichen fossilen Ressourcen. Diese neigen sich dem Ende und in einigen Jahrzehnten werden sie wirtschaftlich nicht mehr abbaubar sein. Da nahezu alles auf diesen Energieträgern basiert, brauche wir eine Alternative und diese heißt Wasserstoff.

 

2. Der Wasserstoffantrieb ist grundsätzlich schon sehr lange bekannt. Warum gelang bisher nie der ganz große Durchbruch?

Nun Wasserstoff als Energieträger stand und steht im Wettbewerb zu allen anderen möglichen Energieträgern für Antriebstechnologien. Es war nun einmal einfacher einen flüssigen Energieträger wie Benzin oder Diesel herzustellen, zu speichern, zu transportieren und dann in einer Verbrennungskraftmaschine zu verbrennen. Die kalte Verbrennung von Wasserstoff in einer Brennstoffzelle ist gut verstanden. Jedoch wurde aus meiner Sicht für die breite Einführung dieser Technologie mit der mobilen Anwendung ein extrem anspruchsvolles Segment ausgewählt. Hier muss die Technologie zum Beispiel extreme Einflüsse wie Temperaturen oder Erschütterungen meistern. Wäre eine Brennstoffzelle als erstes als Energieversorgungssystem (thermische und elektrische Energie) für Haushalte entwickelt worden, mit konstanten Umgebungstemperaturen oder keinem mechanischen Stress hätte die Chance bestanden diese Technologie umfassend kennenzulernen, um sie dann in einem nächsten Schritt in die Mobilität zu überführen. In Japan werkeln mehr als 200.000 BZ-Systeme in Privathaushalten.

Ferner gehören zu einer Verbrennungskraftmaschine mehr als 5000 Teile nebst den dazugehörigen Arbeitsplätzen. Im Vergleich hierzu benötigt ein elektromotorischer Antrieb gerade einmal ca. 500 Teile. D.h. hier musste erst ein massives Umdenken stattfinden und Möglichkeiten gefunden werden, um dies umzusetzen. Mit dem Schritt in die Elektromobilität ist nun schon einmal ein erster Schritt getan. Nun wird sich zeigen, welcher Energieträger bzw. -speicher für welche Anwendung eingesetzt wird. In Bezug auf dieses ist es wichtig in der Übergangsphase technologieoffen zu sein und auch zu bleiben, denn der Weltmarkt ist noch lange nicht aufgeteilt bzw. verteilt.

 

3. Hat die Wasserstoffherstellung das Potential, ein tragender Wirtschaftsfaktor für (sonnenreiche) Entwicklungsländer zu werden, wenn sie z. B. mit Solarenergie kombiniert würde?

Ja natürlich aber nicht nur dort wo die Sonne scheint sondern auch dort wo starke Winde wehen, werden zukünftig Standorte für die Wasserstoffherstellung entstehen. Neben der elektrischen Energie wird aber auch Wasser benötigt und dies am besten hochrein. Es wird also mit wichtig sein, darauf zu achten, dass hier keine Ungleichgewichte in Bezug auf die Ressourcen und die Menschen, die diese gleichfalls benötigen entstehen. Hierfür müssen globale Handelsregelungen geschaffen werden. Deutschland ist diesbezüglich mit H2Global bereits einen großen Schritt gegangen.