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Alumni-Stories: Veli Simsek über das Banach-Tarski Paradoxon und seine persönliche Zukunft mit MINT

Wie die Physiker den Mathematikern die Weltrettung ruinieren? Was meint Fachpreis-Gewinner Veli Simsek denn damit? Das und einiges mehr verrät Veli im Interview…

Womit hast Du Dich in Deiner Facharbeit auseinandergesetzt?

Ich habe meine Facharbeit im Fach Mathematik geschrieben und der Titel lautet: „Das Banach-Tarski Paradoxon und wie die Physiker den Mathematikern die Weltrettung ruinieren“. Sie beschäftigt sich mit dem Theorem von Stefan Banach und Alfred Tarski, welches aussagt, dass man alleine durch das Zerteilen, Drehen und Bewegen einer Kugel zwei identische Kopien schaffen kann, ohne Volumen an irgendeiner Stelle zu addieren. Zudem leite ich die Mengenlehre und Maßtheorie ein, welche für das Verständnis des Paradoxons und dessen Implikationen wichtig sind. Zum Abschluss beantworte ich die Frage, ob so ein Prozess in der Realität möglich sei und überlege in einem Gedankenexperiment wie eine Welt aussähe, in der Banach-Tarski Prozesse möglich sind.

 

Wie bist Du auf dieses Thema gekommen?

Ein Video von Michael David Stevens auf der Plattform YouTube war mein erster Zugang zu dem Paradoxon. Ich wollte unbedingt verstehen, wie es genauer funktioniert und sah es als eine Herausforderung an.

 

Wie bist Du auf die Dr. Hans Riegel-Fachpreise aufmerksam geworden?

Im Jahr zuvor hatten wir einen Preisträger an unserer Schule im Bereich Physik (Jona Ackerschott, „Simulation der Lichtablenkung in der Umgebung eines Schwarzen Loches“). Dazu haben wir ein Plakat in der Schule aufgestellt und mein Mathematiklehrer hat mich darauf aufmerksam gemacht.

 

Was bedeutet die Auszeichnung für Dich?

Ich fühle mich einerseits geehrt, aber die Auszeichnung bedeutet viel mehr für mich: Ich habe Motivation und Sicherheit gewonnen im Bereich Mathematik weiter machen zu wollen. Außerdem haben sich mir damit neue Türen geöffnet.

 

Was würdest Du Schülerinnen und Schülern raten, die ihre Arbeit bei den Dr. Hans Riegel-Fachpreisen einreichen möchten?

Nehmt Euch ein Thema wofür Ihr brennt, was Euch packt und wo Ihr eine Herausforderung drin seht. Reicht Eure Facharbeiten ein, habt keine Angst davor zu versagen: Selbst, wenn man nicht unter den Preisträgern ist, der wahre Preis ist am Ende wie der Nobelpreisträger Richard Feynman sagte: „The prize is the pleasure of finding a thing out, the kick in the discovery.

Gerade von Spaß an der Wissenschaft, brennendem Interesse und dem Drang nach Erkenntnis sollt oder könnt Ihr Euch leiten lassen.

 

Was machst Du heute und wie bist Du dorthin gekommen?

Ich bin zurzeit in der Endphase meines Abiturs und werde im Anschluss mein Mathematikstudium beginnen. Ich habe bereits einige Vorlesungen zu Analysis I gehört (im Rahmen des FFF Programms der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) und großes Interesse an der Mathematik gefunden. Ich denke, dass neben Ehrgeiz und Spaß am Lernen meine Familie, Freunde, Lehrer und Vorbilder stark dazu beigetragen haben, wo ich heute bin.  Aber der Weg geht noch weiter und im Endeffekt hört das Lernen nie auf.

 

Warum der Bereich MINT? Welche persönlichen Interessen und Chancen siehst Du     darin bzw. was spricht Deiner Meinung nach für eine Tätigkeit im MINT-Bereich?

Der Bereich MINT faszinierte mich bereits als Kind: Ich wollte wissen, wie die Dinge funktionieren, all die Fragen beantworten, die ich mir tagtäglich stelle. Die Mathematik als solche begeistert mich alleine schon der Schönheit, der ständigen Fragen und ihrer logischen Struktur wegen. Die Naturwissenschaften erklären mir von der Färbung des Himmels bis zum Aufbau der Atome eine unvollständige Geschichte, die Wissenschaftler tagtäglich weiterschreiben. Mein persönlicher Traum ist es, die Welt zu verbessern und Menschen zu helfen und ich bin der festen Überzeugung, dass dies auch MINT-Berufen möglich ist. Für MINT-Berufe spricht sicherlich die Bezahlung, aber eben auch Dinge wie Spaß an der Arbeit selbst zu haben, etwas zu tun, wofür man einsteht (z. B. Erneuerbare Energien).

 

In welchem Feld möchtest Du zukünftig tätig sein?

Ich würde gerne Menschen helfen und die Welt verbessern, also am liebsten wäre ich Forscher. Was genau ich machen werde, ergibt sich dann im Laufe des Studiums denke ich.

 

Welche Tipps würdest Du Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben?

Glaubt an Euch, wagt neue Dinge, neue Sichtweisen und lest Bücher außerhalb der Schule. Lernt Euch selbst kennen, wie Ihr lernt und lasst Euch nicht entmutigen. Und am wichtigsten: Jeder hat seine Stärken und Schwächen, nicht jeder ist in allem perfekt. Aber Noten sind nicht alles, die Werte und Ambitionen zählen.

 

Mit welchen Vorurteilen rund um MINT würdest Du gerne aufräumen?

MINT-Fächer sind definitiv nicht nur für „Genies“ oder „Nerds“, jeder kann mit ihnen mehr über die Welt lernen und seinen Horizont erweitern. Die Forschung hört nicht auf, sondern nimmt gerade richtig Schwung und es gibt noch unendlich viele ungelöste Fragen. Und im Prinzip betreffen jeden von uns die Dinge, auf die die Naturwissenschaften eine Antwort haben. 

 

Brauch man Deiner Ansicht nach auch für MINT Kreativität?

Unbedingt! Wissenschaft bedeutet für mich, Sichtweisen zu wechseln, neue Dinge zu wagen und so am Rand der Erkenntnis neue Dinge zu lernen, indem man kreativ ist.

 

Hast Du Beispiele aus Deinem eigenen Umfeld und Tätigkeitsbereich für Dinge, die es ohne MINT im ganz alltäglichen/“selbstverständlichen“ Leben nicht geben würde?

Unzählige Dinge. Computer, Smartphones, die Apps, die wir benutzen, das Essen, welches wir essen, wenn wir mit dem Auto fahren, wenn wir Medikamente nehmen, wenn wir auf einen Bildschirm schauen, wenn wir vom Klimawandel gewarnt werden, vieles was wir für selbstverständlich halten, wäre nicht oder deutlich schlechter möglich. Aber vor allem die Zukunft würde darunter leiden, denn diese baut besonders auf MINT-Tätigkeiten auf.

 

Ist das, was Du in der Schule und Uni gelernt hast, relevant für Deine aktuelle/zukünftige Tätigkeit?

Ich denke, es geht viel eher um die Fähigkeiten, die man lernt, als darum, etwas auswendig zu lernen. Zum Beispiel das abstrakte Denken im Mathematikunterricht, das Argumentieren in Deutsch, Englisch und Philosophie, Teamwork, die Fähigkeit, sich selbst zu präsentieren usw. werden einem fast schon unterbewusst mitgegeben. Und gerade diese Fähigkeiten zählen später.