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Case Maclaims Interpretation von Carl Spitzwegs „Schmetterlingsfänger“ ist ab sofort auf einer 200m² großen Hausfassade in Gelsenkirchen zu sehen

Nach wochenlanger Vorarbeit und gut zehn Tagen Schaffensprozess an der Wand selbst, ist das zweite Werk der Projektreihe WALLS OF VISION, die 2019 von der Dr. Hans Riegel-Stiftung ins Leben gerufen wurde, nun im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf zu bewundern.

Foto: Florian Yeh

Das Projekt WALLS OF VISION der gemeinnützigen Dr. Hans Riegel-Stiftung möchte historische Kunstwerke durch großflächige Interpretationen im öffentlichen Raum relevant und lebendig halten. Zudem sollen die Fassadenkunstwerke Orte des Dialogs und Diskurses sein. 2019 wurde als erstes Teilprojekt Caspar David Friedrichs „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ vom Berliner Künstlerensemble INNERFIELDS in Köln-Kalk interpretiert. Das zweite Werk sollte Carl Spitzwegs „Der Schmetterlingsfänger“ sein.

Carl Spitzweg gilt als der Chronist des Biedermeier schlechthin. Seine humorvollen, satirischen Genrebilder, wie „Der Bücherwurm“, „Der arme Poet“ oder „Der Kaktusfreund“ sind weltbekannt. Für die Projektreihe „WALLS OF VISION“ ist jedoch ein anderes Merkmal des Künstlers von größerem Interesse: Sein Bezug zur Natur. Spitzweg, der gelernte Apotheker und studierte Pharmazeut, nutze seine naturwissenschaftliche Bildung für die genaue Beobachtung und Analyse seiner Motive. Sein waches Auge und sein geschulter Blick für Farben und Details kennzeichnen sein gesamtes Werk. „Der Schmetterlingsfänger“ weist dieses Detailbewusstsein noch in einer weiteren Form auf: dem Detail des Augenblicks.  Die Natur ist voll davon, aber man muss hinschauen und dafür empfänglich sein. Bereits im Originalwerk war der Protagonist zu sehr mit sich und seiner Ausrüstung beschäftigt, um die wunderschönen blauen Schmetterlinge wahrzunehmen. Er verpasste den Augenblick, was durchaus sinnbildlich für den heutigen Umgang mit der Natur ist.

Mit Case Maclaim (Andreas von Chrzanowski), der vor über 20 Jahren mit der Malerei begann, seine Kunst schon in über 20 Länder gebracht hat und zurecht als Pionier der Szene in Sachen Fotorealismus gilt, konnte der ideale Künstler für eine Interpretation des Werkes von Carl Spitzweg gewonnen werden.   

 

Wo:           Festweg 1, 45886 Gelsenkirchen – Ückendorf

 

Case Maclaim: „Realitätsflucht und die Stellung der Natur als Heiligtum waren um 1840 ein Einfluss auf die Darstellung des Biedermeier bzw. der Romantik. An dieser Grundstimmung möchte ich gerne ansetzen: Die Idee ist es, den Schmetterlingsfänger in der heutigen gesellschaftlichen Eigenart, dem heutigen Weltbild entsprechend, darzustellen. Der Inhalt des Bildes, „einen Moment zu verpassen“ soll weitervermittelt werden. Die Darstellung der Person soll den egozentrischen Eskapismus von heute reflektieren.“

Alexander Kukla: „Historische Kunstwerke werden bei WALLS OF VISION in die heutige bzw. zukünftige Zeit transferiert und als Murals in den öffentlichen Raum gebracht. Wir möchten damit einen Beitrag dazu leisten, dass historische Kunst- und Kulturgüter erhalten und relevant bleiben. Außerdem soll bildende Kunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – ohne Hürden und elitären Habitus, dafür mit offenem Diskurs. Wir freuen uns sehr, dass wir Case Maclaim für unser Projekt gewinnen konnten und sind vom Ergebnis absolut begeistert!“