Klassengarten

Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Ahrtal-Jugendherberge

Bei Klassenfahrten erwartet die Schüler*innen meist ein Mix aus Freizeit, Unterricht, Exkursion und Teambuilding. So auch bei den Gästen der Jugendherberge in Bad Neuenahr. Bis Juli 2021 gab es Planungen für die Landesgartenschau zwischen unserer Stiftung und dem Gästehaus. Nach der Absage der LaGa und der Flut, waren wir beeindruckt vom Engagement des Teams angesichts der immensen Herausforderungen. Die ersten Schulklassen besuchten bereits nach wenigen Monaten wieder die Jugendherberge und die Spuren der Katastrophe sind glücklicherweise immer weniger sichtbar.

Am ursprünglichen Plan, der Schaffung eines außerschulischen Lernortes zentral in Bad Neuenahr, halten wir weiterhin fest. Die Gäste werden zukünftig mit unserer Unterstützung vor Ort mehrere Aspekte der Umweltbildung erleben können. Von der Bestimmung der Wasserqualität, Versuchen zur Bodenerosion bis hin zu Themen der Biodiviersität wird es möglich, sich hier spielerisch und experimentell den Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel und Umweltschutz zu nähern.

Der "Klassengarten" wird für die Gäste und Einwohner*innen von Bad Neuenahr zur Verfügung stehen. Inhaltlich begleitet werden wir durch die BNE-Expert*innen von "Abenteuer Lernen e.V.". Das Gelände entwarf die Gartenplanerin Lucia Quadt und umgesetzt werden ihre Pläne bis Frühjahr 2022 durch die Gartenbaufirma Wershofen.

Ab Ostern 2022 werden die ersten Gäste den Klassengarten nutzen. Gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule und der Umweltlernschule+ schaffen wir einen Pool an geschulten Honorarkräften aus der Region zur Begleitung der Besuchergruppen. Unter dem Motto "Natur und Nachhaltigkeit im Ahrtal" suchen wir aktuell nach passenden Personen.

Im Rahmen der ursprünglich für 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler geplanten Landesgartenschau („LaGa“) sollte auf dem Gelände der Ahrtal-Jugendherberge durch Förderung der Dr. Hans Riegel-Stiftung ein außerschulischer Lernort entstehen. Dieser sollte für das pädagogische Programm im Rahmen der LaGa zur Verfügung stehen und im Anschluss durch die Jugendherberge weiterbetrieben werden. Nach Absage der LaGa und Flut im Ahrtal wird das Vorhaben nun in angepasstem Rahmen umgesetzt.

Die Dr. Hans Riegel-Stiftung legt großen Wert auf die längerfristige Nutzung der Anlage sowohl durch die Ahrtal-Jugendherberge, lokale Bildungseinrichtungen als auch weiteren passenden regionalen Partnern. Zu diesem Zweck wurde ausgehend von einer Bedarfserhebung mit den lokalen Partnern abgestimmt, wie dieser Lernort konkret aussehen muss, welche Materialen vorrätig sein und welche pädagogischen Konzepte vorbereitet werden müssen.

Wesentliche Zielsetzungen waren dementsprechend:

  • Sicherstellung einer qualifizierten Begleitung der Programme
  • Ausreichende Ausstattung mit Verbrauchs- und Gebrauchsgütern in unmittelbarer Nähe
  • Erarbeitung der Programme angelehnt an die Lehrpläne aus RLP und NRW
  • Thematische Vielfalt
  • Programme für unterschiedliche Altersgruppen
  • Möglichkeit zur Integration in den Unterricht (Vor- und Nachbereitungsmaterial, eigenständige und regelmäßige Durchführung)
  • Nutzung von Naturmaterialen bei der Gestaltung

Dr. Christian Wittlich (Universität Bremen) schreibt in seiner Untersuchung zu außerschulischen Lernorten mit BNE-Fokus:

"Eine universale BNE-Definition herrscht in der Literatur nicht vor, was dazu führt, dass dieses umfangreiche Bildungskonzept nicht in einem Satz begriffsgerecht abgebildet werden
kann. Vielmehr besteht in der Praxis und in der BNE-Literatur ein Konsens über die
Zugehörigkeit relevanter Inhalte und Aspekte. Dabei sind Begriffe wie Zukunftsorien-
tierung, Handlungsorientierung oder Partizipation eng mit dem Konzept verbunden.
Im Sinne der Agenda 21 orientiert sich die BNE eng am Leitbild der nachhaltigen
Entwicklung. (...) Als relativ junges Bildungskonzept befindet sich die BNE im Spannungsfeld
zwischen der ökologischen, ökonomischen, sozialen und politischen Dimension.  
BNE „hat zum Ziel, die Menschen zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträgli-
chen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt unter Berücksich-
tigung globaler Aspekte zu befähigen
. Mit geeigneten Inhalten, Methoden und einer
entsprechenden Lernorganisation hat Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in al-
len Bildungsbereichen die Aufgabe, Lernprozesse zu initiieren, die zum Erwerb von
für eine nachhaltige Entwicklung erforderlichen Analyse-, Bewertungs- und Hand-
lungskompetenz beitragen“ (BMBF 2002, S. 4).

Die Begriffserweiterung durch Anhängen des Adjektivs „außerschulisch“ zu einer au-
ßerschulischen BNE ist eng mit dem außerschulischen Lernen verbunden. Außer-
schulisches Lernen findet an außerschulischen Lernorten statt und meint ein Lernen,
das mit einer originalen Begegnung einhergeht. Damit lässt sich die außerschulische
BNE als sämtliche Bildungsmaßnahmen definieren, die außerhalb des Schulgelän-
des stattfinden und sich dabei inhaltlich maßgeblich am Bildungskonzept der BNE
orientieren." (Wittlich, 2020)

Im Lehrplan wird BNE als Querschnittsthema behandelt. Klassischerweise sind Naturwissenschaften, Sach- und Erdkunde und Wirtschaft Schulfächer, in denen es um BNE-Inhalte geht. Im besten Fall wird bei der Behandlung die interdisziplinäre Ansatz gegenüber den Lernenden betont.

Uns war wichtig, den Schwerpunkt auf Naturmaterialen zu legen und sowohl einen Ort für Gespräche und Vorträge sowie einen zum Arbeiten am Tisch zu schaffen. Ergänzt wird das durch das Lager, in dem die vorbereiteten Materialen bereitstehen.

In der direkten Umgebung des Klassengartens wurde Wert auf eine Bepflanzung gelegt, welche auch in den geplanten Experimenten sinnvoll genutzt werden kann. Darüber hinaus stehen eine wilde Streuobstwiese sowie das Ufer der Ahr in unmittelbarer Umgebung für die kleinen und großen Forscher*innen zur Verfügung.

Mit Pflanzen färben

Bei diesem Projekt tauchen die Kinder in die bunte und faszinierende Welt der Naturfarben ein. Jedes kann sofort mitmachen und Farben entdecken, ernten, selbst färben und gestalten. Das wilde Gelände und naturnahe Wegränder laden zum Suchen und Sammeln ein. Auch ein Färbergarten wurde angelegt.

Bei ihrem Tun werden die Kinder aufmerksam für die Artenvielfalt. Sie probieren aus, wie die Farben herauszulösen sind. Sie entdecken alte Färbertechniken selbstständig neu. Sie dürfen künstlerisch gestalten. Dazu benötigen sie fast keine Anleitung.

Experimente mit der Luft

Luft ist ein faszinierender Stoff. Für uns Menschen lebenswichtig und selbstverständlich. Aber was verbirgt sich hinter diesem Gemisch aus verschiedenen Gasen? Wir können die Luft weder sehen, hören noch anfassen und doch nehmen wir sie wahr.

Mit unterschiedlichen Experimenten dürfen die Kinder die Luft bei diesem Projekt selbstständig erforschen. Sie erfahren, dass Luft Raum einnimmt und nicht etwa "nichts" ist. Sie experimentieren mit warmer und kalter Luft, erforschen die Zusammensetzung und machen Luftdruck spürbar sowie lassen kleine Gasraketen starten.

Bodentiere und Insekten

Es wimmelt nur so in unmittelbarer Umgebung. Wir schauen ganz genau hin und entdecken, was krabbelt, wer von Blüte zur Blüte fliegt und wer sich im Boden versteckt. Um die Tiere etwas genauer kennenzulernen, bauen wir artgerechte Unterkünfte auf Zeit und können beobachten, wie Schnecken sich bewegen und fressen, wie es bei Regenwürmern unter der Erde aussieht und welche Vielfalt an kleinen Lebewesen sich direkt unter unseren Füßen verbergen.

Bei der Suche nach fliegenden Insekten und Bodentieren werden erste Artenkenntnisse vermuittelt. Die Unterschiedlichkeit der Lebensräume und die faszinierende Vielfalt der Lebewesen wird deutlich.

Wasser: Leitung, Strömung, Erosion

Wasser ist eigentlich unser Lebenselexier. Ohne Wasser läuft nichts. Doch im Ahrtal wurde deutlich, welche Kraft fließendes Wasser haben kann. Wenn die natürliche Landschaft so verändert wird, dass das Wasser der Flüsse nicht ausweichen kann, hat das schlimme Folgen.

Bei diesem Projekt dürfen die Kinder sich technisch mit dem Wasser auseinandersetzen. Nach kurzen praktischen Einführungen sind ihre eignenen Ideen gefragt: Wie können wir gute Strömungsrinnen und gute Wasserleitungen bauen? Wie muss ein gutes Flussbett gestaltet sein, damit es bei Hochwasser genug Platz hat? Bei welchem Bewuchs kann Wasser langsam versickern und wo reißt es das Erdreich mit?

Klimawandel - Ursachen und Folgen

Wofür demonstrieren die Kinder und Jugendlichen bei Fridays for future eigentlich genau? Immer mehr hören wir vom "Klimawandel". Bei diesem Projekt geht es darum, die Ursachen für den Klimawandel besser zu verstehen.

Abstrakte Begriffe wie Energie und Energieumwandlung werden durch Experimente erfahrbar. Fossile Energie wie Kohle und Öl können angefasst und beschnuppert ewrden. Wir vergleichen den Energiegehalt der Stoffe.

Durch Experimentieren mit Stromkreisen werden fossile (Batterie) und regenerative (Solarzelle) Energieträger verglichen. Aber auch das "Klimagas" CO2 wird selbst hergestellt und der CO2-Gehalt der Umgebung an verschiedenen Stellen gemessen.

Bodentiere und Insekten

Es wimmelt nur so in unmittelbarer Umgebung. Wir schauen ganz genau hin und entdecken, was krabbelt, wer von Blüte zur Blüte fliegt und wer sich im Boden versteckt. Um die Tiere etwas genauer kennenzulernen, bauen wir artgerechte Unterkünfte auf Zeit und können beobachten, wie Schnecken sich bewegen und fressen, wie es bei Regenwürmern unter der Erde aussieht und welche Vielfalt an kleinen Lebewesen sich direkt unter unseren Füßen verbergen.

Bei der Suche nach fliegenden Insekten und Bodentieren werden erste Artenkenntnisse vermittelt. Die Unterschiedlichkeit der Lebensräume und die faszinierende Vielfalt der Lebewesen wird deutlich.

Mit Pflanzen färben und experimentieren

Pflanzen bieten eine fantastische Farbpalette, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei diesem Projekt experimentell entdecken können. Wichtig ist: Zunächst einmal einfach sammeln und ausprobieren, wie aus Pflanzenteilen Farben gewonnen werden können. Dabei bieten sich Blüten, Blätter, Rinden, Wurzeln aber auch die Früchte an. Ganz verschieden reagieren die Farben, je nachdem auf welche Weise wir versuchen, sie herauszulösen. Die Farben können genutzt werden, um makeup und Kajal, Aquarellfarben und Tinten herzustellen: und auch um T-Shirts, Haare oder Tücher zu färben.

Bei diesem Projekt entsteht nicht nur handwerkliches Wissen, es wird auch künstlerisch gearbeitet. Darüber hinaus werden chemische und physikalische Zusammenhänge klar.

Unsere Fortschritte

Unsere Partner

Kontakt

Dr. Hans Riegel-Stiftung
Projektleiter Peter Laffin
Am Neutor 3
53113 Bonn
0228-22744715
peter.laffin@hans-riegel-stiftung.com