KLASSENGARTEN: Bildung für nachhaltige Entwicklung im Kreis Ahrweiler

Entstehung eines außerschulischer Lernorts auf dem Gelände der Ahrtal-Jugendherberge

Erleben Sie Aspekte der Umweltbildung!

Von der Untersuchung der Luft über Pflanzenfarben extrahieren bis hin zur Biochemie der Photosynthese und regenerativen Energien: Gäste der Jugendberge in Bad Neuenahr-Ahrweiler können sich ab sofort spielerisch und experimentell Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel und Umweltschutz nähern.

Das Angebot richtet sich insbesondere an Familien mit Kindern oder Lehrkräfte der Primarstufe oder Sekundarstufe 1.

Ziel aller Experimente ist es, die Kinder zum eigenen Tun, zum eigenen Experiment und zur eigenen Schlussfolgerung zu ermutigen. Dazu dürfen die Kinder die verschiedensten Phänomene selbstständig untersuchen.

Die Experimente werden von geschultern Trainer*innen aus dem Ahrtal begleitet, die ihr Wissen und ihre Begeisterung für Umweltthemen an junge Menschen weitergeben möchten und auf diese Weise dazu beitragen, dass zukünftig rücksichtsvoller mit dem Planeten umgegangen wird. Gemeinsam mit unseren Partnern, der Kreisvolkshochschule und der Umweltlernschule+, wurden diese Personen unter dem Motto „Natur und Nachhaltigkeit im Ahrtal“ im Frühjahr 2022 gesucht und geschult.

Der KLASSENGARTEN wurde von der Dr. Hans Riegel-Stiftung konzipiert und finanziert. Die Module entwickelten die BNE-Expert*innen Abenteuer Lernen e. V.

Das Gelände entwarf die Gartenplanerin Lucia Quadt und umgesetzt hat die Planung die Gartenbaufirma Wershofen.

Im Rahmen der ursprünglich für 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler geplanten Landesgartenschau („LaGa“) sollte auf dem Gelände der Ahrtal-Jugendherberge durch Förderung der Dr. Hans Riegel-Stiftung ein außerschulischer Lernort entstehen. Nach der Nutzung für das pädagogische Programm im Rahmen der LaGa wäre er durch die Jugendherberge weiterbetrieben worden. Nach Absage der LaGa und Flut im Ahrtal wurde das Vorhaben in angepasstem Rahmen umgesetzt, weil ein Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung ("BNE") nun umso wichtiger an diesem zentralen Ort ist.

Die Dr. Hans Riegel-Stiftung legt großen Wert auf die längerfristige Nutzung der Anlage sowohl durch die Ahrtal-Jugendherberge, lokale Bildungseinrichtungen als auch weiteren passenden regionalen Partnern. Zu diesem Zweck wurde ausgehend von einer Bedarfserhebung mit den lokalen Partnern abgestimmt, wie dieser Lernort konkret aussehen muss, welche Materialen vorrätig sein und welche pädagogischen Konzepte vorbereitet werden müssen.

Wesentliche Zielsetzungen waren dementsprechend:

  • Sicherstellung einer qualifizierten Begleitung der Programme
  • Ausreichende Ausstattung mit Verbrauchs- und Gebrauchsgütern in unmittelbarer Nähe
  • Erarbeitung der Programme angelehnt an die Lehrpläne aus RLP und NRW
  • Thematische Vielfalt udn Flexibilität
  • Programme für unterschiedliche Altersgruppen
  • Möglichkeit zur Integration in den Unterricht (Vor- und Nachbereitungsmaterial, eigenständige und regelmäßige Durchführung)
  • Nutzung von Naturmaterialen bei der Gestaltung

Dr. Christian Wittlich (Universität Bremen) schreibt in seiner Untersuchung zu außerschulischen Lernorten mit BNE-Fokus:

"Eine universale BNE-Definition herrscht in der Literatur nicht vor, was dazu führt, dass dieses umfangreiche Bildungskonzept nicht in einem Satz begriffsgerecht abgebildet werden
kann. Vielmehr besteht in der Praxis und in der BNE-Literatur ein Konsens über die Zugehörigkeit relevanter Inhalte und Aspekte. Dabei sind Begriffe wie Zukunftsorientierung, Handlungsorientierung oder Partizipation eng mit dem Konzept verbunden.
Im Sinne der Agenda 21 orientiert sich die BNE eng am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. (...) Als relativ junges Bildungskonzept befindet sich die BNE im Spannungsfeld zwischen der ökologischen, ökonomischen, sozialen und politischen Dimension. BNE hat zum Ziel, die Menschen zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt unter Berücksich-
tigung globaler Aspekte zu befähigen
. Mit geeigneten Inhalten, Methoden und einer entsprechenden Lernorganisation hat Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in allen Bildungsbereichen die Aufgabe, Lernprozesse zu initiieren, die zum Erwerb von für eine nachhaltige Entwicklung erforderlichen Analyse-, Bewertungs- und Handlungskompetenz beitragen“ (BMBF 2002, S. 4).

Die Begriffserweiterung durch Anhängen des Adjektivs „außerschulisch“ zu einer außerschulischen BNE ist eng mit dem außerschulischen Lernen verbunden. Außerschulisches Lernen findet an außerschulischen Lernorten statt und meint ein Lernen,das mit einer originalen Begegnung einhergeht. Damit lässt sich die außerschulische BNE als sämtliche Bildungsmaßnahmen definieren, die außerhalb des Schulgelän-
des stattfinden und sich dabei inhaltlich maßgeblich am Bildungskonzept der BNE orientieren." (Wittlich, 2020)

Im Lehrplan wird BNE als Querschnittsthema behandelt. Klassischerweise sind Naturwissenschaften, Sach- und Erdkunde und Wirtschaft Schulfächer, in denen es um BNE-Inhalte geht. Im besten Fall wird bei der Behandlung die interdisziplinäre Ansatz gegenüber den Lernenden betont.

Uns war wichtig, den Schwerpunkt auf Naturmaterialen zu legen und sowohl einen Ort für Gespräche und Vorträge sowie einen zum Arbeiten am Tisch zu schaffen. Ergänzt wird das durch das Lager, in dem die vorbereiteten Materialen bereitstehen.

In der direkten Umgebung des Klassengartens wurde Wert auf eine Bepflanzung gelegt, welche auch in den geplanten Experimenten sinnvoll genutzt werden kann. Darüber hinaus stehen eine wilde Streuobstwiese sowie das Ufer der Ahr in unmittelbarer Umgebung für die kleinen und großen Forscher*innen zur Verfügung.

Mit Pflanzen färben (Grundschule)
Bei diesem Projekt tauchen die Kinder in die bunte und faszinierende Welt der Naturfarben ein. Jedes Kind kann sofort mitmachen und Farben entdecken, ernten, färben und gestalten. Das wilde Gelände und naturnahe Wegränder laden zum Suchen und Sammeln ein.
Im ersten Schritt machen die Kinder sich die Buntheit der Natur bewusst und beginnen selbst, Materialen unterschiedlicher Farben zu sammeln. Mit diesen Materialen und auch vorhandenen Pflanzen sowie Lösungsmitteln können die Teilnehmenden Farben herstellen, mischen und benutzen.
Bei ihrem Tun werden die Kinder aufmerksam für die Artenvielfalt. Sie probieren aus, wie die Farben herauszulösen sind. Sie entdecken alte Färbertechniken selbstständig neu. Sie dürfen künstlerisch gestalten. Dazu benötigen sie nur wenig Anleitung.

Experimente mit der Luft (Grundschule)
Luft ist ein faszinierender Stoff. Für uns Menschen lebenswichtig und selbstverständlich. Aber was verbirgt sich hinter diesem Gemisch aus verschiedenen Gasen? Wir können die Luft weder sehen, hören noch anfassen und doch nehmen wir sie wahr.
Mit unterschiedlichen Experimenten dürfen die Kinder die Luft bei diesem Projekt selbstständig erforschen. Sie erfahren, dass Luft Raum einnimmt und nicht etwa "nichts" ist. Sie experimentieren mit warmer und kalter Luft, erforschen ihre Zusammensetzung und machen Luftdruck spürbar sowie lassen kleine Gasraketen starten.
Insbesondere in Verbindung mit Wasser wird hier Luft vielfältig erlebbar: Seifenblasen, Flaschentornado und Taucherglocken erwarten die Teilnehmenden. Aufgrund des Umgangs mit Wasser und Feuer ist das Modul nur im Außenbereich durchführbar.

Bodentiere und Insekten (Grundschule)
Es wimmelt nur so in unmittelbarer Umgebung. In dem Modul schauen die Kinder ganz genau hin und entdecken, was krabbelt, wer von Blüte zur Blüte fliegt und wer sich im Boden versteckt. Um die Tiere etwas genauer kennenzulernen, bauen Sie artgerechte Unterkünfte auf Zeit. Sie können mit den Teilnehmenden beobachten, wie Schnecken sich bewegen und fressen, wie es bei Regenwürmern unter der Erde aussieht und welche Vielfalt an kleinen Lebewesen sich direkt unter unseren Füßen verbergen.
Bei der Suche nach fliegenden Insekten und Bodentieren werden erste Artenkenntnisse und vor allem der rücksichtsvolle Umgang mit Ihnen vermittelt. Die Unterschiedlichkeit der Lebensräume und die faszinierende Vielfalt der Lebewesen wird deutlich.
Das Modul ist nicht im Winter durchführbar und wird für die Durchführung im Außenbereich mit wetterangepasster Kleidung empfohlen.

Wasser: Leitung, Strömung, Erosion (3.-6. Klasse)
Wasser ist unser Lebenselixier. Ohne Wasser läuft nichts und wir bestehen zum Großteil aus Wasser. Doch im Ahrtal wurde deutlich, welche Kraft fließendes Wasser haben kann. Wenn die natürliche Landschaft so verändert wird, dass das Wasser der Flüsse nicht ausweichen kann, hat das in Verbindung mit schweren Unwettern schlimme Folgen.
Bei diesem Projekt dürfen die Kinder sich technisch mit dem Wasser auseinandersetzen. Nach kurzen praktischen Einführungen sind ihre eigenen Ideen gefragt: Wie können wir gute Wasserleitungen bauen? Wie baut man schwimmfähige Boote und misst deren Geschwindigkeit? Außerdem werden Oberflächenspannung, Osmotischer Druck, Strömung und Wasserkraft in den Experimenten thematisiert.
Aufgrund des Umgangs mit Wasser ist das Modul nur im Außenbereich durchführbar.

 

Wasser: Leitung, Strömung, Erosion (3.-6. Klasse)
Wasser ist unser Lebenselixier. Ohne Wasser läuft nichts und wir bestehen zum Großteil aus Wasser. Doch im Ahrtal wurde deutlich, welche Kraft fließendes Wasser haben kann. Wenn die natürliche Landschaft so verändert wird, dass das Wasser der Flüsse nicht ausweichen kann, hat das in Verbindung mit schweren Unwettern schlimme Folgen.
Bei diesem Projekt dürfen die Kinder sich technisch mit dem Wasser auseinandersetzen. Nach kurzen praktischen Einführungen sind ihre eigenen Ideen gefragt: Wie können wir gute Wasserleitungen bauen? Wie baut man schwimmfähige Boote und misst deren Geschwindigkeit? Außerdem werden Oberflächenspannung, Osmotischer Druck, Strömung und Wasserkraft in den Experimenten thematisiert.
Aufgrund des Umgangs mit Wasser ist das Modul nur im Außenbereich durchführbar.

Klimawandel - Ursachen und Folgen (4.-8. Klasse)
Immer mehr hören wir vom "Klimawandel". Bei diesem Projekt geht es darum, die Ursachen für den Klimawandel besser zu verstehen.
Abstrakte Begriffe wie Energie und Energieumwandlung werden durch die Experimente erfahrbar. Fossile Energie wie Kohle und Öl können angefasst und beschnuppert werden. Wir vergleichen den Energiegehalt der Stoffe. Welche Energie haben das Sonnenlicht und der Wind und wie können sie leicht wahrnehmbar gemacht werden?
Durch Experimentieren mit Stromkreisen werden fossile (Batterie) und regenerative (Solarzelle) Energieträger verglichen. Aber auch das "Klimagas" CO2 wird selbst hergestellt und der CO2-Gehalt der Umgebung an verschiedenen Stellen gemessen.
Aufgrund des Umgangs mit Wasser und Feuer ist das Modul nur im Außenbereich durchführbar.

Mit Pflanzen färben und experimentieren (4.-8. Klasse)
Pflanzen bieten eine fantastische Farbpalette, die die Teilnehmenden dieses Moduls experimentell entdecken können. Wichtig ist: Zunächst einmal einfach sammeln und ausprobieren, wie aus Pflanzenteilen Farben gewonnen werden können. Dabei bieten sich Blüten, Blätter, Rinden, Wurzeln aber auch die Früchte an. Ganz verschieden reagieren die Farben, je nachdem auf welche Weise wir versuchen, sie herauszulösen. Die Farben können genutzt werden, um Schminke und Kajal, Aquarellfarben und Tinten herzustellen: und auch um T-Shirts, Haare oder Tücher zu färben.
Bei diesem Projekt entsteht nicht nur handwerkliches Wissen, es wird auch künstlerisch gearbeitet. Darüber hinaus werden biologische, chemische und physikalische Zusammenhänge klar. Begriffe wie „Photosynthese“, „ph-Wert“, „Säuren“ und „Basen“ werden praktisch eingeführt.

 

Sommerfest am 11.09.2022

Unsere Fortschritte

Unsere Partner

Kontakt

Dr. Hans Riegel-Stiftung
Projektleiter Peter Laffin
Am Neutor 3
53113 Bonn
0228-22744715
peter.laffin@hans-riegel-stiftung.com