Walls of Vision

Zum Hintergrund

Die Dr. Hans Riegel-Stiftung führt das gemeinnützige Vermächtnis des ehemaligen HARIBO-Mitinhabers fort mit dem Ziel, junge Menschen entlang der Bildungskette bei der Gestaltung der Zukunft zu fördern und nachhaltig zu begleiten. Dr. Hans Riegel war bekannt für seine Kreativität und seine Leidenschaft für Kunst. In der Satzung seiner Stiftung hat er u. a. die Förderung der bildenden Kunst und der historischen Kultur festgeschrieben. Die Pflege und Erhaltung von Kunst- und Kulturwerten sowie die Erschließung von Kunst bzw. Kulturwerten für die Öffentlichkeit sollen durch die Stiftung langfristig unterstützt werden. Um Kunst- und Kulturwerte einer breiten Öffentlichkeit wirksam zu erschließen und sie insbesondere jungen Menschen näherzubringen, muss sie dort stattfinden, wo die Zielgruppe ist: Im öffentlichen Raum, in der Schule und in Social Media.

Die Idee

Wir möchten junge Menschen durch einen innovativen, zeitgeistigen Zugang für bildende Kunst begeistern und ihnen die vielseitigen Ausdrucksmöglichkeiten näherbringen, die Kunst zu bieten hat. Neben Kreativität stehen Diskurs und Naturverbundenheit im Fokus des Projektes. Historische Kunstwerke werden in die heutige bzw. zukünftige Zeit transferiert und in Form von Murals (Fassadenkunstwerken) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Den Anfang macht ein berühmtes Werk von Caspar David Friedrich, dessen Interpretation von Innerfields – eines renommierten Künstlerensembles aus Berlin – ab September 2019 auf einer ca. 260m²-Fassade in Köln-Kalk zu sehen sein wird.

Caspar David Friedrich, einer der bedeutendsten Maler des 19. Jahrhunderts, prägte die Optik der romantischen Landschaftsmalerei. Er benutzte u. a. die seit der Antike zurückgreifende Technik der „Rückenfiguren“, deren wesentliche Aufgabe es ist, Betrachter*innen mit in das Bild hineinzuziehen. Der Mensch steht im Zentrum der Bildkomposition und wird so zum Maßstab, auf den sich alle Naturerscheinungen beziehen. Nach Caspar David Friedrich entspricht die Landschaftsmalerei einer Art „Seelenspiegel“, d. h. eine als wahr empfundene Wirklichkeit und keine 1:1-Wiedergabe eines natürlichen Ortes. Auch wenn die Werke dem natürlichen Vorbild sehr nahekommen, gehen sie darüber hinaus, indem sie etwas Geheimnisvolles bzw. Nachdenkenswertes transportieren. So wird etwa vermutet, dass auch die Auswirkungen des beginnenden Industriezeitalters auf die Natur eine Rolle in den Werken von Caspar David Friedrich spielten.

Wo stehen wir rund 200 Jahre später? Der Mensch hat die Natur grundlegend verändert, die Bedrohungen von Klimawandel & Co. werden immer gravierender, die Folgen sind kaum absehbar. Rückenfiguren erleben durch Social Media eine – höchstwahrscheinlich völlig unbewusste – Renaissance: Menschen lassen sich tausendfach vor Naturkulissen in Rückfigur fotografieren. Meist sind es noch malerische, heile Naturkulissen, aber es gibt auch erste Beispiele, die auf diesem Wege den rücksichtlosen Umgang mit der Natur thematisieren. Das Projekt „Walls of Vision“ soll künstlerische und mediale Sphären aufgreifen und in einer neuen Komposition verbinden: Eine künstlerische Zeitreise, die zur Vergegenwärtigung, Reflektion und Vorstellung anregt. Wir möchten damit einen Beitrag dazu leisten, dass historische Kunst- und Kulturgüter erhalten und in die Zukunft transportiert werden. Zudem soll bildende Kunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – ohne Hürden und vor allem ohne elitären Habitus, dafür mit offenem Diskurs.  

Teilhabe

Unsere Jugend lässt sich nicht einfach etwas vorsetzen, das wird insbesondere in den vergangenen Monaten eindrucksvoll klar. Wir begrüßen den Einsatz- und Teilhabewillen der jungen Generation. Deshalb ist es uns wichtig, Schülerinnen und Schüler auch bei „Walls of Vision“ aktiv mit einzubinden. Vor den Sommerferien 2019 haben die Künstler von Innerfields an der Kaiserin-Theophanu-Schule den Grundstein für das Fassadenkunstwerk in Köln-Kalk gelegt: Innerhalb einer Projektwoche wurden die kunsthistorischen Grundlagen erörtert, die künstlerischen Techniken vermittelt und ein bildverwandtes Mural gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern gestaltet. Auch die Dokumentation und Multiplikation der Kunstwerke werden die Schülerinnen und Schüler unter #wallsofvision wesentlich mitgestalten.

Bildergalerie

Termine

Vom 29.08.2019 bis 05.09.2019 entstand das erste großflächige Fassadenkunstwerk (ca. 260m²) der Projektreihe in der Gießener Straße, Köln-Kalk.

Vom 31.08.2019 bis 21.09.2019 fand die fünfte Ausgabe des internationalen CityLeaks Urban Art Festivals, ein biennales Festival für zeitgenössische urbane Kunst und Kultur, in Köln statt. Insgesamt besuchten bisher weit über 100 internationale Künstler*innen auf Einladung von CityLeaks Köln. Ausstellungen, Touren, Gesprächsrunden, Workshops und Musik erweitern das Programm. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit lokalen, regionalen und (inter)nationalen Netzwerken aus Kultur, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, der Dialog mit Bürger*innen, Nachbarschaften und Publikum sowie die Förderung von Teilhabe an kreativen Diskursen zum Thema Stadt zeichnen den Charakter des Festivals aus. Die Dr. Hans Riegel-Stiftung förderte das Festival und kooperierte mit dem Veranstalter artrmx e. V. auch im Zuge der Fassadenkunst in Köln-Kalk. Mehr zum Festival auf: http://cityleaks-festival.de/

Kontakt

Dr. Hans Riegel-Stiftung
Projektleiter Alexander Kukla
Am Neutor 3
53113 Bonn
0228-22744721
alexander.kukla@hans-riegel-stiftung.com